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Kunst-Blog                                                                                                                                                                           Kategorien

Kunst-Blog

Kunst - mit all ihren verschiedenen Gesichtern - beeinflusst unser Sein und offenbart manchmal unsere tiefsten, verstaubten Geheimnisse. Diese sind dazu da, entdeckt, erlebt und weiter erkundet zu werden!  Das ist das Ansinnen dieses Blogs. Er begibt sich auf eine spannende Reise, festgehalten in kleinen Momenten. Mal dreht es sich um Farben, dann wieder um Musik, manchmal um beides gleichzeitig, oder es geht um Kunst im Allgemeinen. Denn dieses Feld ist unerschöpflich. Jeder ist herzlich eingeladen, mitzureisen. Wer weiss, vielleicht finden wir den perfekten Moment... 

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Fünfundzwanzigster Moment: Doch nicht verstaubt und vergessen: Süsser die "Lieder" nie klingen als zu der Weihnachtszeit

Gepostet am 24. Dezember 2016 um 9:15
Das Schöne an der Weihnachtszeit ist (unter anderem!) die spezielle Bedeutung der Musik. Denn die trägt einen wesentlichen Teil dazu bei, dass wir uns weihnachtlich fühlen. Was wäre ein Weihnachten ohne Weihnachtslieder? Sie gehören dazu wie die Kerzen, die Plätzchen oder das Tannengrün. Und das ist gut so (selbst wenn bei manchen die Weihnachtsliedertoleranz gelegentlich überstrapaziert wird). Sie vermitteln uns, nennen wir es "weihnachtliche Geborgenheit". Man muss sich nur darauf einlassen (Und Weihnachstmuffel mögen sich bitte nicht angesprochen fühlen). Dabei sind die Geschmäcker natürlich verschieden, was die Genres betrifft. Vom deutschen Weihnachtslied bis zum Weihnachtsschlager ist die Spannbreite unendlich, aber somit ist für jeden etwas dabei. Weihnachtslieder gibt es schon lange. Zunächst wurden sie in Messen und im Stundengebet gesungen und besa??en natürlich dementsprechende Inhalte. Aus dem Mittelalter stammt dann der Brauch, diese Hymnen mit deutschen Liedern zu vereinen. So entstand eine Mischform, die wir noch heute in manchen Liedern finden (z. B. "In dulci jubilo"). Martin Luther ist es zu verdanken, dass der Gebrauch von Weihnachtsliedern im Gemeindegottesdienst populär wurde verbunden mit dem Anspruch, die Messen in deutscher Sprache durchzuführen. Das hatte zur Folge, dass viele Weihnachtslieder in deutscher Sprache entstanden. (z.B. "Vom Himmel hoch"). Jedoch erst 200 Jahre später entwickelte sich die Tradition, Weihnachtslieder auch zuhause im Familienkreis zu singen. Diese erlebte ihren Höhepunkt im 19.Jahrhundert. Damit blieb das Weihnachtslied nicht "nur" ein Kirchenchoral, sondern ertönte nun als Sololied in den Wohnzimmern ganz "normaler" Familien. Das uns wohl allen bekannteste Weihnachtslied "Stille Nacht, heilige Nacht" stammt aus dem 19. Jahrhundert. Im selben Jahrhundert entstanden auch zahlreiche Weihnachtslieder, die textlich keinen Bezug auf die Geburt Christi haben, z.B. "O Tannenbaum" etc. Mit der zunehmenden Globalisierung fanden auch fremdsprachige Weihnachtslieder, insbesondere englische, Einzug in unsere Gefilde, was ja grundsätzlich auch nicht schlecht ist, aber dennoch sollten wir daneben unsere alten deutschen Weihnachtslieder nicht ausser Acht lassen. Und es ist wunderbar, dass die Tradition, Weihnachtslieder zu singen, zu zelebrieren in unserem ganzen Informations- und Konsumdschungel überhaupt noch existiert. Auch wenn es hier und da geschmacklich variiert und man sicherlich darüber streiten kann und oftmals kommerzielle Zwecke dahinterstehen, so verbindet uns das gemeinsame Singen, das gemeinsame Hören.

Vierundzwanzigster Moment: Kein Sein ohne Musik oder "Warum Musik zum Menschsein gehört"*

Gepostet am 20. Dezember 2016 um 7:05
"Wenn wir Musik hören oder machen, spielen sich biologische Vorgänge ab. Eine Reihe von Anhaltspunkten sprechen dafür, dass unsere Fähigkeit, eine Ordnung der Töne herzustellen, zu verstehen und zu schätzen nicht nur Kultur, sondern auch Natur ist." schreibt Christian Lehmann. (Der genetische Notenschlüssel, Christian Lehmann, Herbig 2010, S.18). Soll heissen: Musik ist nicht nur um uns, sondern auch in uns, ja sogar in unseren Genen - verankert, ob wir wollen oder nicht. Selbst der unmusikalischste Mensch hat regelmässig mit Musik zu tun und dies nicht nur durch äussere Einflüsse, sondern auch aus sich selbst heraus. Christian Lehmann beschreibt in dem absolut lesenswerten o,g. Werk sehr eindrucksvoll, wie man das wissenschaftlich belegen könnte. Er möchte herausfinden, in welchen Ma??e die Musikalität des Menschen kulturell und soziologisch erworben und was davon tatsächlich genetische Veranlagung ist und somit einen evolutionsgeschichtlichen Hintergrund besitzt. Musik quasi als "Urinstink". Bevor wir sprechen lernten, war da bereits der Klang, die Töne und der Gesang. Auch Heinrich Heine hat einmal erwähnt, dass er fest daran glaube, dass der Mensch gesungen habe, bevor er des Sprechens mächtig war. Im Tierreich gilt der Gesang als ein wichtiges Mittel zur Arterhaltung: Man denke beispielsweise an sogenannte Balzgesänge, wodurch Männchen und Weibchen sich anlocken. Und wir Menschen konnten schon lange Flöte spielen, bevor wir das Rad erfanden oder Häuser bauten. Denn unsere Natur als Inspirations- und Einflussquelle für unser musikalisches Sein bietet uns seit unserer Entstehung ein umfangreiches Spektrum an Musik; es reicht ein kurzer Gang in die Natur (natürlich ohne Kopfhörer), um diese Vielfältigkeit zu entdecken. Wir erleben es immer wieder, wie die Musik -Takt, Rhythmus, Melodie - wie man es nennen mag - in uns steckt: das automatische Wippen nach dem Takt eines Liedes, das rhythmische Klatschen... Oft Dinge, die irgendwie von selbst passieren ohne dass wir dafür etwas Spezielles erlernen müssten - es ist einfach da. Musik besitzt zudem die Macht, Gemeinschaft zu formen und Verbindungen zwischen uns zu knüpfen, die vielleicht von allein nicht zustande gekommen wären. Das ist sehr beruhigend in einer Gesellschaft wie heute, weil es nämlich eine Sache ist, die immer bleiben wird, niemals einer Mode oder Strömung oder politischen Diskussion oder Handykommunikation- oder was auch immer - zum Opfer fallen wird. Musik (als biologischer Teil), die bleibt, weil sie in uns lebt und wohnt. Lassen wir es Christian Lehmann zusammenfassen: "Neben der Sprache, die es uns Menschen erlaubt, Dinge und Zustände genau zu benennen, hat die Evolution unserer Spezies - vielleicht schon vor der Sprache, vielleicht parallel zu ihr - ein weiteres Mitteilungssystem gegründet, das auf Melodie und Rhythmus gründet. Für die Entwicklung der typisch menschlichen Fähigkeiten, Melodie und Rhythmus zu erkennen und sie als Mittel des Ausdrucks und der Verständigung zu handhaben, gab es höchstwahrscheinlich gute biologische Gründe ebenso gute Gründe wie für die Evolution anderer komplexer kognitiver Fähigkeiten und Verhaltenseigenschaften. Alle erkennbaren evolutionären Ursachen der menschlichen Musikalität haben mit emotionaler Bindung zu tun, mit dem "sozialen Kitt", der für den Homo sapiens als Gemeinschaftswesen lebenswichtig ist." (Der genetische Notenschlüssel, Christian Lehmann, Herbig 2010, S.234) * Der genetische Notenschlüssel, Christian Lehmann, Herbig 2010

Dreiundzwanzigster Moment: Es gibt kein Falsch oder Richtig oder ohne Risiko gehts nicht

Gepostet am 16. Dezember 2016 um 16:30
Es gibt Menschen, die lieben die Bühne. Sie geniessen es (vielleicht brauchen sie es auch), ihre Kunst dort zu präsentieren. Wollen bewusst oder unbewusst den Rest der Menschheit daran teilhaben lassen. Oder sind der Meinung: diese Kunst bzw. Musik muss in die Welt. Das ist wunderbar, unbestritten! Daneben aber existiert die Liga der "heimlichen" Künstler oder Kunstliebhaber oder Kunstausführer, die versuchen, ihre Kunst bzw. Musik für sich selbst zu praktizieren und tunlichst die Oeffentlichkeit meiden. Weil für sie eine Bühne einem Problem gleichkommt (manchmal reicht schon der Musiklehrer, der zur Oeffentlichkeit wird). Was nicht bedeutet, dass diese stillen Instrumentalisten schlechte Musiker sein müssen. (Ob guter oder schlechter Musiker, ist sowieso eine Frage des Anspruchs und der Betrachtungsweise...) Sie scheuen sich nur, vor denen zu spielen, von denen sie glauben, dass diese es besser können. Und das ist kein singuläres Phänomen. Manchmal lassen diese Hemmungen selbst bei nah vertrauten Menschen das wahre "Ich" beim Spiel auf der Strecke bleiben. Das passiert so: Die stillen Musiker versuchen, den sicheren Weg einzuschlagen, indem sie die Noten so detailgetreu wie möglich kopieren, weil sie sich dann sicher wähnen. Aber das wird nichts! Eine falsche Sicherheit! Jeder hört, wenn sich der Instrumentalist in seinem Werk nicht fallen lässt und nicht zeigen will; ein Werk ohne Individualität ist wie kein Werk, wie nicht da sein. Nein, hier heisst es "voll auf Risiko" so spielen, wie man meint, fühlt und wie man es kann, egal ob falsch oder richtig, denn die Wahrheit ist: es gibt kein falsch oder richtig in der Kunst bzw. Musik. Wer sein Werk überzeugend vorträgt, dem verzeiht jeder kleine Aenderungen. Erst mit diesen Aenderungen ist das Stück individuell geworden und macht den Moment zu einem ganz besonderen, den man grosszügig mit den Zuhörenden teilt. Und diese werden es hören und sehr dankbar sein, einer so persönlichen Darbietung beiwohnen zu dürfen. Deshalb also, wagt es Ihr stillen Musiker! Es ist ein Weg, der seine Zeit braucht, aber sich ganz sicher lohnt. Letztlich könnte es sich verdammt gut anfühlen...

Zweiundzwanzigster Moment: Warum nur "ziellose" Musik aus Kindern Musikliebhaber macht oder Musik als Musikwert selbst

Gepostet am 10. Dezember 2016 um 16:05
Halten Sie sich für unmusikalisch? Wenn ja, dann erzählen Sie das bloss nicht ihren Kindern (falls Sie welche haben) es stimmt nicht! Die Wahrheit ist nämlich: Es war Ihnen -aus welchen Gründen auch immer- einfach nur nicht vergönnt, Ihre (garantiert) in Ihnen steckende Musikalität zu entwickeln, und so ist sie ein wenig auf der Strecke geblieben. Das muss aber nicht heissen, dass es Ihren Kindern genauso ergehen muss. Eltern müssen nicht singen können, sollten dies aber ihren Kindern zuliebe ruhig trotzdem tun. Keine Angst, Ihr Kind wird Sie schon korrigieren. Und nebenbei passiert es von ganz allein, dass die Kleinen eine Beziehung zur Musik aufbauen und die Ihrige wird dabei noch einmal erneuert. Es ist allgemein bekannt, dass Babys bereits durch Musik zu Aktionen animiert werden. Es ist weiterhin nichts Neues, dass Musik Verhaltensweisen begünstigt, und so könnte man die Aufzählung fortsetzen.... Diesen pädagogisch-theoretischen Teil können Sie überall nachlesen. Aber Musik schafft viel mehr: sie macht Spass, motiviert, entschärft, besänftigt, jubelt, animiert, begünstigt kreatives Potenzial und bringt dabei ganz nebenbei die zahlreichen sozialen, pädagogischen, kognitiven und was auch immer für Vorteile mit sich. Aber eins ist klar für alle Menschen, ob gross oder klein: die Motivation muss von innen herauskommen, nichts kann erzwungen werden. Musisches Talent bei den Kleinen gibt ehrgeizigen Eltern noch lange nicht das Recht, aus Ihren Sprösslingen mit aller Macht Musikstars zu machen (es sei denn, diese wollen das selbst). Sollten Eltern dies dennoch versuchen, so erreichen sie oftmals eher das Gegenteil und verleiden dem Kind die Musik. Aeussert das Kind von selbst den Wunsch, ein Instrument spielen zu dürfen, so sollte man diese Chance ergreifen und dies ihm ermöglichen. Was die Wahl des Instruments betrifft, so kann man sich, soweit von körperlichen Gegebenheiten möglich (manche Instrumente sind aufgrund der körperlichen Entwicklung erst ab einem bestimmten Alter möglich, beispielsweise Klarinette) ruhig auf das Kind verlassen. Und so schön das alles ist, Höhen und Tiefen bleiben nicht aus, besonders dann, wenn es an das Ueben geht. Kein Kind (oder sagen wir: die wenigsten) übt immer freiwillig und ausgiebig. Aber auch hier gilt: Nichts zu sehr. Weder in die eine noch in die andere Richtung. Gar nicht üben funktioniert auch nicht. Jedes Kind muss selbst die Erfahrung machen, dass Erfolg nicht von selbst kommt. Und dass das Ueben etwas bringt. Das bedeutet aber auch nicht, dass es jetzt immerzu üben sollte. Lieber kürzer üben, aber dafür öfters. Heisst: vielleicht zehn Minuten am Tag, dafür aber jeden Tag versuchen. Noch wesentlicher als die künstlerischen Aspekte sind im Zusammenhang mit den Jüngsten die menschlichen: beispielsweise ein guter Draht zum Musiklehrer. Schafft dieser es, neben dem Engagement der Eltern, die Musikliebe beim Kind einmal zu wecken, so bleibt diese erhalten und dient dem Kind als Motivation zur musikalischen Weiterentwicklung. Fast von ganz allein. Denn Musik gehört zu unserer Natur, dies beginnt im Mutterleib und endet im Grab. Babys im Bauch können bereits Tonhöhen, Rhythmen, Klänge und Melodieverläufe differenzieren und zuordnen. Bereits nach einigen Monaten im Mutterleib ist die Entwicklung der Hörfähigkeit zu grossen Teilen abgeschlossen; nun wird sie durch Hörerlebnisse kontinuierlich vorangetrieben; oder eben nicht, wenn diese Hörerlebnisse ausbleiben. Das ist dann die Aufgabe der Eltern, dafür zu sorgen, dass das Kind zu seinen Hörerlebnissen kommt. Jedoch Vorsicht, Musik soll nicht nur nützen. Moderne Erziehungsmethoden neigen dazu, den Wert der Musik in vielerlei Dingen zu sehen (wie: Musik macht schlau, fördert das Sprachvermögen und die Lesefähigkeit, das Rechnen etc) aber nicht die Musik als eigenen Wert an sich. Wenn Musik nur zur Wissenserziehung dient, wird sie nicht das vermitteln, was sie in sich birgt, dass was man nicht sieht, sondern fühlt und das, was ihren Wert ausmacht. Das Kind darf (muss) dabei Spass haben und sich wohl fühlen, das sollte die Hauptsache sein. Der Rest passiert ganz von selbst. Denn am schönsten ist es, wenn ein Kind die Musik selbstständig lieben lernt, weil es, angetan durch ihre Faszination, motiviert ist, sich mit Musik zu beschäftigen. Und weil es einfach Freude daran hat. Dann lernt es auch, die erfahrenen musikalischen Inhalte zu verknüpfen und anzuwenden. Und wird nebenbei auch noch schlau ganz ohne Drill.

Einundzwanzigster Moment: Die Farben der Musik oder der Ton der Farbe

Gepostet am 5. Dezember 2016 um 16:00
Es ist paradox: Maler reden von Farbtönen und Musiker von Klangfarben. Demnach existiert nicht nur eine Harmonie der Töne, sondern auch eine Harmonie der Farben. So wie es Notenskalen gibt, spricht man auch von Farbskalen. Besteht womöglich ein direkter Zusammenhang zwischen Farbe und Ton? Rein naturwissenschaftlich betrachtet eher nicht, denn die Empfindung der Farbe basiert auf Licht, auf elektromagnetischen Wellen; hingegen Töne aus mechanischen Schwingungen entstehen. Es finden sich noch mehr Unterschiede: beispielsweise das Transponieren von Musikstücken in andere Tonarten: ein Stück verliert seine bestimmte Melodie nicht, egal ob es in C-Dur ist und nach D-Dur transponiert wird. Würde man diese Frequenzverschiebung in den Farbbereich, also beispielsweise auf ein Gemälde, übertragen, so kämen letzten Endes ganz andere Farben heraus, die nichts mehr mit dem Ursprungsgemälde zu tun hätten. Demnach muss diese Harmonie oder Zusammenhang zwischen Tönen und Farben wohl ein Phänomen der menschlichen Wahrnehmung sein. Und diese findet Gemeinsamkeiten, selbst wenn diese rein naturwissenschaftlich nicht belegbar sind. Aber mal ganz ehrlich - warum müssen sie das auch sein? Es geht um Empfindungen, die man wissenschaftlich sowieso nicht einordnen kann. Und nicht mit wissenschaftlichen Denkmustern kategorisieren kann. Der Mensch findet seine eigene Analogie: Traurige und tiefsinnige Musik assoziieren wir mit dunklen Farbtönen, da die ausgelösten Empfindungen ähnlich sind. Genauso verhält es sich bei schrillen Farbkombinationen: Man empfindet es als eine Art Dissonanz, so wie das auch in der Musik bei dissonanten (schrägen!) Akkorden vorkommt. Das emotionale Erleben der Musik wird durch visuelle Reaktionen verstärkt. Louis-Bertrand Castel erfand 1725 das sogenannte Farbenklavier, bei dem jeden Ton eine Farbe zugeordnet ist. Als künstlerisches Mittel kommt der Verbindung von Farbe und Musik eine grosse Bedeutung zu. So verfolgten Komponisten das Ziel, wahrgenommene Bilder und Farben in Töne umzusetzen, hingegen Maler bestrebt waren, Musik in Bildern zu visualisieren. Und darauf kommt es eigentlich an: das individuelle Erleben und Erkennen und nachvollziehbare Darstellen dieser Querverbindungen ohne wissenschaftliche Erklärungen. Darin liegt der eigentliche Wert der Beziehung von Farbe und Musik.

Zwanzigster Moment: Vom Zauber der Regellosigkeit oder Drahtlose Vernetzung einmal anders

Gepostet am 30. November 2016 um 15:55
Das Musik ganz besondere Brücken zwischen Menschen schlagen kann, ist hinlänglich bekannt. Aber diesen Brückenbau als stiller Beobachter mitzuerleben, ist ein Erlebnis. Letztlich hatte ich die Chance, einem Improvisationsworkshop beizuwohnen. Und dabei wurde ich Zeuge dieses Brückenbaus. Ich hatte die Aufgabe, das Geschehen zu dokumentieren. Als Beobachter von aussen offenbarten sich mir Dinge, die man vielleicht gar nicht so bewusst wahrnimmt, wenn man direkt am Geschehen beteiligt ist. Die Teilnehmer des Improvisationsworkshops kannten sich nicht und hatten sich vermutlich vorher nie gesehen. So wusste auch der eine vom anderen nicht, wie er musikalisch tickt. Die Aufgabe bestand darin, zusammen zu musizieren - aus dem Moment heraus ohne Noten und ohne weitere Vorgaben (man einigte sich lediglich auf eine Tonart), ohne irgendwelche Regeln. Der ein oder andere war anfangs ein wenig irritiert, so wie ich auch, denn es taten sich die Fragen auf wie: Konnte das so überhaupt funktionieren? Klingt es nicht eher schräg, wenn jeder "irgendwie" spielt? War das nicht so etwas wie ein musikalischer Anarchismus? Man beschloss, dass der erste Versuch zwei Minuten dauern sollte. Jedes Instrument -es gab ein Piano, Cello, Gesang, Flöte, Saxophon, Geige und Akkordeon- sollte mindestens einmal ein Solo spielen. Zwei Minuten hört sich kurz an, können aber in so einer Situation verdammt lang werden...Es ging los und ich war äusserst gespannt. Ich filmte mit meinem Smartphone und war schon bei den ersten Klängen erstaunt, wie unerwartet harmonisch es klang. Oftmals gab es zwar noch kleine Pausen, weil keiner dem anderen zuvorkommen wollte; beziehungsweise jeder so rücksichtsvoll (oder zurückhaltend) war und sich nicht "vordrängeln" wollte - aber irgendwie passierte es, dass die zwei Minuten rasch vergingen und jeder mindestens einmal gespielt hatte. Wie schön das klang! Dann versuchte man es mit Rhythmus, und das Ganze gewann unheimlich an Lockerheit. Zudem erlangten die Teilnehmer in einer rasanten Weise zunehmende Sicherheit, so dass es mir fast schon so vorkam, als hätten sie schon öfters zusammen musiziert. Wie in einem Theaterstück. Jeder hatte seine Rolle; und das Schöne dabei war, jeder hatte sie selbst gewählt! Mehr und mehr konnte ich beobachten, dass die Instrumentalisten verstärkt begannen, untereinander zu kommunizieren. Das geschah mittels Blickkontakt. Wenn der eine beabsichtigte, sein Solo zu beenden, warf er dem gewünschten nächsten Instrument einen Blick zu und derjenige startete. Die Musizierenden beobachteten ihr Gegenüber, traten in eine nonverbale -aber für alle verständliche Kommunikation. Und so kreierten sie ein gemeinsames, einzigartiges Werk, im dem sich ein Teil von jedem Musiker wiederfand. Es war unglaublich, wie diese nonverbale Kommunikation funktionierte. Die Leute waren drahtlos vernetzt, über die Musik, über die Improvisation, die sie gemeinsam aufführten. Sie verfolgten ein Ziel, zogen alle an einem Strang. Da gab es keinen Fehler, keine schiefen Töne. Eine geregelte Regellosigkeit. Je länger sie zusammen spielten, desto schöner wurde es, ihnen zuzuhören und in mir wuchs der Wunsch, auch ein Teil dieses harmonischen Ganzen zu sein. Dieses Erlebnis zu teilen. Bis heute bereue ich, dass ich nicht den Mut hatte, mitzumachen. Aber beim nächsten Mal bestimmt!

Musik und Ich

Gepostet am 17. November 2016 um 7:00
So bin ich dem Zauber der zarten Musik erlegen,
spüre ihre unausgesprochene Macht,
Dringe sanft in ihre fernen Gefilde,
und fühle das stetige Feuer,
das sie entfacht.

...

So lässt sie mich erahnen, wer ich wirklich bin,
und bringt mit ihrer Melodie vieles hervor,
zeigt mir meine ganze Seele,
und weist mir den Weg,
den ich einst verlor.

...

So finde ich den Mut, ihren Weg weiter zu gehen,
von Klängen umhüllt in ihrem Paradies,
folge immer neuen Pfaden,
und sehe dort der Erkenntnis Licht,
wo ich vorher auf Finsternis stiess.

...

Nicht bekannter Verfasser

Neunzehnter Moment: Ohne Worte und ohne Kummer

Gepostet am 11. November 2016 um 15:50
"Die Musik beginnt da, wo das Wort aufhört" hat Heinrich Heine einmal gesagt. Es gibt Situationen, wo wir keine Worte finden, um das widerzugeben, was uns bewegt. Ist euch schon einmal aufgefallen, dass zufriedene und glückliche Leute oftmals ein Liedchen vor sich hinsummen? Wenn man gute Laune hat, passiert es öfter, dass man beispielsweise die Lieder im Radio mitsingt oder sich rhythmisch dazu bewegt. Man will sein Innerstes nach aussen kehren, insbesondere dann, wenn es so positiver Natur ist. Grundsätzlich scheint der Mensch wohl ein positives Wesen zu sein. Zumindest strebt er dies an und es wird allgemein hin als der Idealzustand betrachtet. Nun gibt es aber auch die Kehrseite der Medaille, nämlich dann, wenn wir nicht "so gut drauf sind". Jeder geht anders damit um, aber Musik ist für viele ein Zufluchtsort. Man ist dann eher geneigt, schwermütige Melodien zu hören, was eigentlich kontraproduktiv ist, man müsste eigentlich lustige Stücke hören, um die Laune zu heben. Musik sozusagen als Schmerzmittel, wie auch immer dieser Schmerz geartet ist, ob körperlich oder seelisch oder schlichtweg beides. Vermutlich bedingt das eine das andere und man kann es unter Umständen nicht einmal trennen. Kann Musik körperlichen Schmerz lindern? Wenn am selbst ein Instrument spielt und sich darauf konzentriert, dann ist es vielleicht möglich, den Schmerz auszublenden. Man muss nur erst einmal dazu kommen, sich des Instruments annehmen, den Schmerz hinter sich lassen. Den Nicht-Schmerz echt werden lassen. Aber wahrscheinlich funktioniert das auch ohne Instrument, einfach nur mit Hören oder sich auf etwas ganz fest konzentrieren. Sich ausmalen, wie es ohne Kummer wäre und davon ausgehen, dass dies bald wieder so sein wird, denn kummerfrei ist der Alltagszustand. Musik kann sehr dabei helfen, sie dringt in unsere tiefsten Bewusstseinsschichten ein und kann gar Wunderliches bewirken. Weil sie Vorstellungskraft beflügelt und uns in schöne Welten schickt. Aber letztlich liegt es immer in der eigenen Hand, wie man sich fühlt, selbst mit Schmerzen. Denn die Kunst ist es, so damit umzugehen, dass es nicht mehr die Hauptrolle spielt. Vermutlich ist das gar nicht so schwer, wie man denkt. Da zählt nur der eigene Wille...und vielleicht auch die richtige Musik...!!

Achtzehnter Moment: Der einzigartige Augenblick der Improvisation oder die Bedeutung des Moments

Gepostet am 5. November 2016 um 16:45
Improvisation heisst eigentlich, dass man etwas ohne Vorbereitung quasi aus dem Stegreif dar- oder herstellt. In diesem Falle geht es in Richtung der Bedeutung von "Provisorium": etwas Vorbereitetes ist nicht vorhanden, und nun muss auf die Schnelle eine Lösung her, um ein entstandenes Problem zu beheben. Aber der Begriff umschreibt noch viel mehr, fast ein Phänomen, wenn man es näher betrachtet: Improvisation bedeutet auch, durch den spontanen Gebrauch von Kreativität etwas bisher nicht Vorhandenes zu produzieren - so wie in der Musik. Hier stellt die Improvisation eine der höchsten Künste dar, die die absolute Beherrschung des jeweiligen Instrumentes sowie bestimmter musikalischer Parameter und Gesetzmässigkeiten voraussetzt. Paradoxerweise gilt es dann bei der neuen Improvisation genau diese Gesetzmä??igkeiten au??er Acht zu lassen und das Unvorhersehbare des Momentes und die eigene Kreativität zu benutzen. Dabei spielen viele Faktoren eine Rolle, derer man sich auch bedient: ein bestimmter örtlicher Rahmen, die Einbeziehung des Publikums während einer Aufführung oder die Improvisation in der Gruppe. Improvisation im musikalischen Sinne beschreibt die Form einer musikalischen Ausführung von Solisten oder auch mehreren Musikern, deren Tonmaterial und Klangfolgen in der praktischen Ausführung selbst entstehen und nicht vorher schriftlich in Form von Noten niedergeschrieben wurden. Wesentlicher Aspekt ist der Weg zu einem neuen Stück, nicht dessen Reproduktion. Der Improvisierende gibt sich dem kreativen Moment sozusagen hin, er muss sich fallen lassen, um diesen vollends auszuschöpfen und in Musik umzusetzen. Dabei entstehen oft wunderbare, einmalige Werke, die Produktionen des Momentes in einem bestimmten Umfeld in einer Situation sind, die so nicht wieder eintreten wird. Deshalb sind sie einmalig. Wird in der Gruppe improvisiert, so bedarf es noch einer weiteren Komponente: Vertrauen. Die Musiker müssen sich aufeinander einlassen, gegenseitig aufeinander reagieren jenseits von persönlicher Berechnung. Oft zeigen diese Improvisationsergebnisse ein grandioses Spektrum an Kreativität, entstanden aus vielen Einzelkreativitäen. Und viele Musiker betonen, wie wunderbar diese Momente der Improvisation sind, da hier eine ganz spezielle Form von Intimität und Intensivität erlebt und gelebt wird. Vermutlich könnte dies eine der schönsten Erfahrungen werden, wenn man sie machen könnte; weil sie so ehrlich und wahrhaft ist, gewachsen aus einem vollkommenen Moment der Hingebung, aus Gefühlen, Kreativität und Visionen. Aber der Bogen lässt sich noch weiter spannen, vielmehr auf unser alltägliches Leben übertragen. Es spielen bei der Improvisation Dinge eine Rolle, die in unserem alltäglichen Leben auch von Bedeutung sind, die wir aber manchmal nicht so gestalten wollen oder können, wie es vielleicht nötig wäre: Vertrauen, Rücksicht, Beobachtung und Wertschätzung des Gegenübers, die Erfassung und Notwendigkeit der Bedeutung des Momentes, die Bereitschaft, dem Moment eine ungeteilte Aufmerksamkeit zu widmen und im gleichem Atemzuge mit anderen zu teilen und dabei sich in gewisser Art und Weise fallen zu lassen, weil man nur so Zeuge und Mitwirkender eines einzigartigen Augenblicks werden könnte.

Siebzehnter Moment: Der Klang der Wut oder Wie man sich selbst rettet

Gepostet am 30. Oktober 2016 um 16:20
"Ich bin ein eitler, selbstbesessener, bösartiger, gefühlskalter, selbstzerstörerischer Oberarsch". Ein ungewöhnliches Selbstbekenntnis, das James Rhodes in seiner Autobiographie "Der Klang der Wut. Wie die Musik mich am Leben hielt" über sich preisgibt. Rhodes ist Konzertpianist. In seiner Autobiographie erzählt er seinen Weg dahin, schonungslos, manchmal etwas bösartig und mit wenig salonfähigen Worten, aber ehrlich. Rhodes schreibt sich frei. Denn sein Weg war mit Steinen übersät: Als Kind wurde er jahrelang von seinem Lehrer unbemerkt missbraucht, er selbst brachte es nicht fertig, aus Scham, sich jemanden anzuvertrauen. Er erzählt die jahrelangen Nachwirkungen dieser negativen Erlebnisse, landet ganz tief unten, was sich in Ritzen, Drogenkonsum, Selbstmordgedanken und Fluchten aus Heilanstalten zeigt. Und er beschreibt die Wut auf sich selbst, weil er nicht genügend kämpfte, dem eher zu entkommen. Dann entdeckt Rhodes die heilende Kraft der Musik, die ihn am Leben hielt, wie er betont. Sie forderte ihn, nahm ihn wie er ist, brachte ihn in eine Welt, in der er sich komplett wohl und sicher fühlen konnte, sie bot ihm einen Weg aus der Misere, zwingt ihn zur Disziplin, denn vor seinen Vorbildern Mozart, Bach oder Chopin ist er ein Niemand, wenn er nicht die Selbstdisziplin zum kontinuierlichen Ueben an den Tag legt. Auf den ersten Blick dominieren Arroganz und Eitelkeit beim Lesen, aber je tiefer man eindringt, desto mehr eröffnet sich einem Rhodes Welt. Er schafft etwas ganz Besonderes: die Kraft der Musik einem nahe zu bringen. Jedes der zwanzig Kapitel beginnt mit einem Klavierstück; das er kurz erläutert, mal flapsig, mal gefühlvoll, aber jedes Mal so, als würde man das Stück wirklich hören. Eine angegebene Internetadresse ermöglicht es, diese Musik auch kostenlos anzuhören, was sich James Rhodes auch als Begleitung zur Lektüre wünscht. Womöglich nervt die Lektüre an manchen Stellen, weil man glaubt, das Rodes Jargon womöglich eine "Ich-bin-cool-Methode" darstellt, aber weit gefehlt: Es ist seine Abrechnung und Wiedergutmachung mit seinem Leben, wobei er den Leser schonungslos offen teilhaben lässt. Rhodes weiss, dass er damit polarisiert, entweder ganz oder gar nicht. Aber er möchte das so, er möchte, dass der Leser, der dranbleibt, sein Elementares fühlt und versteht. Das gelingt ihm grandios. Einmal angefangen, kann man das Buch nicht mehr aus der Hand legen, und das ist auch gut so. Hier bekommt man einen möglichen Weg beschrieben, wie man mit Problemen umgeht, wie man sich selbst aus der Misere helfen kann und wie am Ende das Gute siegt. Fast wie ein Märchen, auch wenn es böse begann.

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