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Sechzehnter Moment: Chopin und das Mysterium der Klänge. Klangrezept oder Eine kleine Höranweisung.

Gepostet am 9. Oktober 2016 um 16:00
George Sand (aus diesem Blog schon hinlänglich bekannt) sagte einmal über Frédéric Chopin: "Son génie ètait plein de mysterieuses harmonies de la nature, traduites par des èquivalentes sublimes dans sa pensée musicale et non par répétition servile des sons extérieures." (G. Sand, Histore de ma vie) was man folgendermassen erklären könnte: Chopin kopiert nicht die Töne der Natur, sondern er wandelt sie gleichsam in musikalische Gedanken um, basierend auf einer Fülle innerer natürlicher Harmonien. Er war gewiss nicht der Naturmensch, so wie man sich heutzutage einen Naturmenschen vorstellen würde, aber sein inneres Ohr war voll von Naturklängen, die er wie kein anderer in Klaviertöne umwandeln konnte gepaart mit der "chopinschen" Geisthaftigkeit, die wohl einem grenzenlosen Erfassen der bewegenden Kräfte des Geistens entsprungen sein muss. Es gibt nichts Direktes in seinen Stücken (der Leser könnte hier mit dem Hören der "Berceuse" in d flat op. 57 einsteigen), es bleibt beim Erahnen und doch Wiedererkennen, es bleibt immer eine Verhaltenheit (Der Leser sollte nun vor seinem inneren Ohr eines der Nocturnes, z.B. op.9, 1 in Bflat minor, hören), aber dennoch nicht weniger fantasievoll und kontrastreich (nun das Fantaisie-Impromptu in c sharp minor op. 66). Dem steht das Umgestüme der Werke entgegen (eventuell hier der "Minutenwalzer" op. 64 Nr 1. Des-dur), das wiederum mit einer schwärmerischen "Note" (nun die Impromptus oder Prélude op.28 nr. 15 in d flat) konkurriert und letzten Endes zu einer Gegensätzlichkeit führt, die sein ganzes Oeuvre bestimmt. Chopin war ein sehr introvertierter Mensch, mit viel Sinn für Eleganz, der sich in seinen selbstgesteckten Grenzen virtuos ausgefüllt hat, Musik und Poesie verband. Seine Musik ist wie ein in musikalische Empfindungen gefasster Wortschatz. Es ist eine Offenbarung. (hier anstellen: Piano Concerto nr. 2 in f minor, op. 21 - Larghetto). Es ist ein Zeugnis des Vorhandenseins tiefer Lebensmächte und tiefer Empfindungen, fern von Kitsch und Oberflächlichkeit. (zum Abschlus: Klaviersonate nr 3 in b minor, op.58)

Kategorien: 2016 - Momente