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Siebzehnter Moment: Der Klang der Wut oder Wie man sich selbst rettet

Gepostet am 30. Oktober 2016 um 16:20
"Ich bin ein eitler, selbstbesessener, bösartiger, gefühlskalter, selbstzerstörerischer Oberarsch". Ein ungewöhnliches Selbstbekenntnis, das James Rhodes in seiner Autobiographie "Der Klang der Wut. Wie die Musik mich am Leben hielt" über sich preisgibt. Rhodes ist Konzertpianist. In seiner Autobiographie erzählt er seinen Weg dahin, schonungslos, manchmal etwas bösartig und mit wenig salonfähigen Worten, aber ehrlich. Rhodes schreibt sich frei. Denn sein Weg war mit Steinen übersät: Als Kind wurde er jahrelang von seinem Lehrer unbemerkt missbraucht, er selbst brachte es nicht fertig, aus Scham, sich jemanden anzuvertrauen. Er erzählt die jahrelangen Nachwirkungen dieser negativen Erlebnisse, landet ganz tief unten, was sich in Ritzen, Drogenkonsum, Selbstmordgedanken und Fluchten aus Heilanstalten zeigt. Und er beschreibt die Wut auf sich selbst, weil er nicht genügend kämpfte, dem eher zu entkommen. Dann entdeckt Rhodes die heilende Kraft der Musik, die ihn am Leben hielt, wie er betont. Sie forderte ihn, nahm ihn wie er ist, brachte ihn in eine Welt, in der er sich komplett wohl und sicher fühlen konnte, sie bot ihm einen Weg aus der Misere, zwingt ihn zur Disziplin, denn vor seinen Vorbildern Mozart, Bach oder Chopin ist er ein Niemand, wenn er nicht die Selbstdisziplin zum kontinuierlichen Ueben an den Tag legt. Auf den ersten Blick dominieren Arroganz und Eitelkeit beim Lesen, aber je tiefer man eindringt, desto mehr eröffnet sich einem Rhodes Welt. Er schafft etwas ganz Besonderes: die Kraft der Musik einem nahe zu bringen. Jedes der zwanzig Kapitel beginnt mit einem Klavierstück; das er kurz erläutert, mal flapsig, mal gefühlvoll, aber jedes Mal so, als würde man das Stück wirklich hören. Eine angegebene Internetadresse ermöglicht es, diese Musik auch kostenlos anzuhören, was sich James Rhodes auch als Begleitung zur Lektüre wünscht. Womöglich nervt die Lektüre an manchen Stellen, weil man glaubt, das Rodes Jargon womöglich eine "Ich-bin-cool-Methode" darstellt, aber weit gefehlt: Es ist seine Abrechnung und Wiedergutmachung mit seinem Leben, wobei er den Leser schonungslos offen teilhaben lässt. Rhodes weiss, dass er damit polarisiert, entweder ganz oder gar nicht. Aber er möchte das so, er möchte, dass der Leser, der dranbleibt, sein Elementares fühlt und versteht. Das gelingt ihm grandios. Einmal angefangen, kann man das Buch nicht mehr aus der Hand legen, und das ist auch gut so. Hier bekommt man einen möglichen Weg beschrieben, wie man mit Problemen umgeht, wie man sich selbst aus der Misere helfen kann und wie am Ende das Gute siegt. Fast wie ein Märchen, auch wenn es böse begann.

Kategorien: 2016 - Momente

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