farbmomente. uta meixner

malerei & zeichnung.


Kunst-Blog                                                                                                                                                                           Kategorien

Kunst-Blog

Achtzehnter Moment: Der einzigartige Augenblick der Improvisation oder die Bedeutung des Moments

Gepostet am 5. November 2016 um 16:45
Improvisation heisst eigentlich, dass man etwas ohne Vorbereitung quasi aus dem Stegreif dar- oder herstellt. In diesem Falle geht es in Richtung der Bedeutung von "Provisorium": etwas Vorbereitetes ist nicht vorhanden, und nun muss auf die Schnelle eine Lösung her, um ein entstandenes Problem zu beheben. Aber der Begriff umschreibt noch viel mehr, fast ein Phänomen, wenn man es näher betrachtet: Improvisation bedeutet auch, durch den spontanen Gebrauch von Kreativität etwas bisher nicht Vorhandenes zu produzieren - so wie in der Musik. Hier stellt die Improvisation eine der höchsten Künste dar, die die absolute Beherrschung des jeweiligen Instrumentes sowie bestimmter musikalischer Parameter und Gesetzmässigkeiten voraussetzt. Paradoxerweise gilt es dann bei der neuen Improvisation genau diese Gesetzmä??igkeiten au??er Acht zu lassen und das Unvorhersehbare des Momentes und die eigene Kreativität zu benutzen. Dabei spielen viele Faktoren eine Rolle, derer man sich auch bedient: ein bestimmter örtlicher Rahmen, die Einbeziehung des Publikums während einer Aufführung oder die Improvisation in der Gruppe. Improvisation im musikalischen Sinne beschreibt die Form einer musikalischen Ausführung von Solisten oder auch mehreren Musikern, deren Tonmaterial und Klangfolgen in der praktischen Ausführung selbst entstehen und nicht vorher schriftlich in Form von Noten niedergeschrieben wurden. Wesentlicher Aspekt ist der Weg zu einem neuen Stück, nicht dessen Reproduktion. Der Improvisierende gibt sich dem kreativen Moment sozusagen hin, er muss sich fallen lassen, um diesen vollends auszuschöpfen und in Musik umzusetzen. Dabei entstehen oft wunderbare, einmalige Werke, die Produktionen des Momentes in einem bestimmten Umfeld in einer Situation sind, die so nicht wieder eintreten wird. Deshalb sind sie einmalig. Wird in der Gruppe improvisiert, so bedarf es noch einer weiteren Komponente: Vertrauen. Die Musiker müssen sich aufeinander einlassen, gegenseitig aufeinander reagieren jenseits von persönlicher Berechnung. Oft zeigen diese Improvisationsergebnisse ein grandioses Spektrum an Kreativität, entstanden aus vielen Einzelkreativitäen. Und viele Musiker betonen, wie wunderbar diese Momente der Improvisation sind, da hier eine ganz spezielle Form von Intimität und Intensivität erlebt und gelebt wird. Vermutlich könnte dies eine der schönsten Erfahrungen werden, wenn man sie machen könnte; weil sie so ehrlich und wahrhaft ist, gewachsen aus einem vollkommenen Moment der Hingebung, aus Gefühlen, Kreativität und Visionen. Aber der Bogen lässt sich noch weiter spannen, vielmehr auf unser alltägliches Leben übertragen. Es spielen bei der Improvisation Dinge eine Rolle, die in unserem alltäglichen Leben auch von Bedeutung sind, die wir aber manchmal nicht so gestalten wollen oder können, wie es vielleicht nötig wäre: Vertrauen, Rücksicht, Beobachtung und Wertschätzung des Gegenübers, die Erfassung und Notwendigkeit der Bedeutung des Momentes, die Bereitschaft, dem Moment eine ungeteilte Aufmerksamkeit zu widmen und im gleichem Atemzuge mit anderen zu teilen und dabei sich in gewisser Art und Weise fallen zu lassen, weil man nur so Zeuge und Mitwirkender eines einzigartigen Augenblicks werden könnte.

Kategorien: 2016 - Momente

0