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Einundzwanzigster Moment: Die Farben der Musik oder der Ton der Farbe

Gepostet am 5. Dezember 2016 um 16:00
Es ist paradox: Maler reden von Farbtönen und Musiker von Klangfarben. Demnach existiert nicht nur eine Harmonie der Töne, sondern auch eine Harmonie der Farben. So wie es Notenskalen gibt, spricht man auch von Farbskalen. Besteht womöglich ein direkter Zusammenhang zwischen Farbe und Ton? Rein naturwissenschaftlich betrachtet eher nicht, denn die Empfindung der Farbe basiert auf Licht, auf elektromagnetischen Wellen; hingegen Töne aus mechanischen Schwingungen entstehen. Es finden sich noch mehr Unterschiede: beispielsweise das Transponieren von Musikstücken in andere Tonarten: ein Stück verliert seine bestimmte Melodie nicht, egal ob es in C-Dur ist und nach D-Dur transponiert wird. Würde man diese Frequenzverschiebung in den Farbbereich, also beispielsweise auf ein Gemälde, übertragen, so kämen letzten Endes ganz andere Farben heraus, die nichts mehr mit dem Ursprungsgemälde zu tun hätten. Demnach muss diese Harmonie oder Zusammenhang zwischen Tönen und Farben wohl ein Phänomen der menschlichen Wahrnehmung sein. Und diese findet Gemeinsamkeiten, selbst wenn diese rein naturwissenschaftlich nicht belegbar sind. Aber mal ganz ehrlich - warum müssen sie das auch sein? Es geht um Empfindungen, die man wissenschaftlich sowieso nicht einordnen kann. Und nicht mit wissenschaftlichen Denkmustern kategorisieren kann. Der Mensch findet seine eigene Analogie: Traurige und tiefsinnige Musik assoziieren wir mit dunklen Farbtönen, da die ausgelösten Empfindungen ähnlich sind. Genauso verhält es sich bei schrillen Farbkombinationen: Man empfindet es als eine Art Dissonanz, so wie das auch in der Musik bei dissonanten (schrägen!) Akkorden vorkommt. Das emotionale Erleben der Musik wird durch visuelle Reaktionen verstärkt. Louis-Bertrand Castel erfand 1725 das sogenannte Farbenklavier, bei dem jeden Ton eine Farbe zugeordnet ist. Als künstlerisches Mittel kommt der Verbindung von Farbe und Musik eine grosse Bedeutung zu. So verfolgten Komponisten das Ziel, wahrgenommene Bilder und Farben in Töne umzusetzen, hingegen Maler bestrebt waren, Musik in Bildern zu visualisieren. Und darauf kommt es eigentlich an: das individuelle Erleben und Erkennen und nachvollziehbare Darstellen dieser Querverbindungen ohne wissenschaftliche Erklärungen. Darin liegt der eigentliche Wert der Beziehung von Farbe und Musik.

Kategorien: 2016 - Momente

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