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Zweiundzwanzigster Moment: Warum nur "ziellose" Musik aus Kindern Musikliebhaber macht oder Musik als Musikwert selbst

Gepostet am 10. Dezember 2016 um 16:05
Halten Sie sich für unmusikalisch? Wenn ja, dann erzählen Sie das bloss nicht ihren Kindern (falls Sie welche haben) es stimmt nicht! Die Wahrheit ist nämlich: Es war Ihnen -aus welchen Gründen auch immer- einfach nur nicht vergönnt, Ihre (garantiert) in Ihnen steckende Musikalität zu entwickeln, und so ist sie ein wenig auf der Strecke geblieben. Das muss aber nicht heissen, dass es Ihren Kindern genauso ergehen muss. Eltern müssen nicht singen können, sollten dies aber ihren Kindern zuliebe ruhig trotzdem tun. Keine Angst, Ihr Kind wird Sie schon korrigieren. Und nebenbei passiert es von ganz allein, dass die Kleinen eine Beziehung zur Musik aufbauen und die Ihrige wird dabei noch einmal erneuert. Es ist allgemein bekannt, dass Babys bereits durch Musik zu Aktionen animiert werden. Es ist weiterhin nichts Neues, dass Musik Verhaltensweisen begünstigt, und so könnte man die Aufzählung fortsetzen.... Diesen pädagogisch-theoretischen Teil können Sie überall nachlesen. Aber Musik schafft viel mehr: sie macht Spass, motiviert, entschärft, besänftigt, jubelt, animiert, begünstigt kreatives Potenzial und bringt dabei ganz nebenbei die zahlreichen sozialen, pädagogischen, kognitiven und was auch immer für Vorteile mit sich. Aber eins ist klar für alle Menschen, ob gross oder klein: die Motivation muss von innen herauskommen, nichts kann erzwungen werden. Musisches Talent bei den Kleinen gibt ehrgeizigen Eltern noch lange nicht das Recht, aus Ihren Sprösslingen mit aller Macht Musikstars zu machen (es sei denn, diese wollen das selbst). Sollten Eltern dies dennoch versuchen, so erreichen sie oftmals eher das Gegenteil und verleiden dem Kind die Musik. Aeussert das Kind von selbst den Wunsch, ein Instrument spielen zu dürfen, so sollte man diese Chance ergreifen und dies ihm ermöglichen. Was die Wahl des Instruments betrifft, so kann man sich, soweit von körperlichen Gegebenheiten möglich (manche Instrumente sind aufgrund der körperlichen Entwicklung erst ab einem bestimmten Alter möglich, beispielsweise Klarinette) ruhig auf das Kind verlassen. Und so schön das alles ist, Höhen und Tiefen bleiben nicht aus, besonders dann, wenn es an das Ueben geht. Kein Kind (oder sagen wir: die wenigsten) übt immer freiwillig und ausgiebig. Aber auch hier gilt: Nichts zu sehr. Weder in die eine noch in die andere Richtung. Gar nicht üben funktioniert auch nicht. Jedes Kind muss selbst die Erfahrung machen, dass Erfolg nicht von selbst kommt. Und dass das Ueben etwas bringt. Das bedeutet aber auch nicht, dass es jetzt immerzu üben sollte. Lieber kürzer üben, aber dafür öfters. Heisst: vielleicht zehn Minuten am Tag, dafür aber jeden Tag versuchen. Noch wesentlicher als die künstlerischen Aspekte sind im Zusammenhang mit den Jüngsten die menschlichen: beispielsweise ein guter Draht zum Musiklehrer. Schafft dieser es, neben dem Engagement der Eltern, die Musikliebe beim Kind einmal zu wecken, so bleibt diese erhalten und dient dem Kind als Motivation zur musikalischen Weiterentwicklung. Fast von ganz allein. Denn Musik gehört zu unserer Natur, dies beginnt im Mutterleib und endet im Grab. Babys im Bauch können bereits Tonhöhen, Rhythmen, Klänge und Melodieverläufe differenzieren und zuordnen. Bereits nach einigen Monaten im Mutterleib ist die Entwicklung der Hörfähigkeit zu grossen Teilen abgeschlossen; nun wird sie durch Hörerlebnisse kontinuierlich vorangetrieben; oder eben nicht, wenn diese Hörerlebnisse ausbleiben. Das ist dann die Aufgabe der Eltern, dafür zu sorgen, dass das Kind zu seinen Hörerlebnissen kommt. Jedoch Vorsicht, Musik soll nicht nur nützen. Moderne Erziehungsmethoden neigen dazu, den Wert der Musik in vielerlei Dingen zu sehen (wie: Musik macht schlau, fördert das Sprachvermögen und die Lesefähigkeit, das Rechnen etc) aber nicht die Musik als eigenen Wert an sich. Wenn Musik nur zur Wissenserziehung dient, wird sie nicht das vermitteln, was sie in sich birgt, dass was man nicht sieht, sondern fühlt und das, was ihren Wert ausmacht. Das Kind darf (muss) dabei Spass haben und sich wohl fühlen, das sollte die Hauptsache sein. Der Rest passiert ganz von selbst. Denn am schönsten ist es, wenn ein Kind die Musik selbstständig lieben lernt, weil es, angetan durch ihre Faszination, motiviert ist, sich mit Musik zu beschäftigen. Und weil es einfach Freude daran hat. Dann lernt es auch, die erfahrenen musikalischen Inhalte zu verknüpfen und anzuwenden. Und wird nebenbei auch noch schlau ganz ohne Drill.

Kategorien: 2016 - Momente

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