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Vierundzwanzigster Moment: Kein Sein ohne Musik oder "Warum Musik zum Menschsein gehört"*

Gepostet am 20. Dezember 2016 um 7:05
"Wenn wir Musik hören oder machen, spielen sich biologische Vorgänge ab. Eine Reihe von Anhaltspunkten sprechen dafür, dass unsere Fähigkeit, eine Ordnung der Töne herzustellen, zu verstehen und zu schätzen nicht nur Kultur, sondern auch Natur ist." schreibt Christian Lehmann. (Der genetische Notenschlüssel, Christian Lehmann, Herbig 2010, S.18). Soll heissen: Musik ist nicht nur um uns, sondern auch in uns, ja sogar in unseren Genen - verankert, ob wir wollen oder nicht. Selbst der unmusikalischste Mensch hat regelmässig mit Musik zu tun und dies nicht nur durch äussere Einflüsse, sondern auch aus sich selbst heraus. Christian Lehmann beschreibt in dem absolut lesenswerten o,g. Werk sehr eindrucksvoll, wie man das wissenschaftlich belegen könnte. Er möchte herausfinden, in welchen Ma??e die Musikalität des Menschen kulturell und soziologisch erworben und was davon tatsächlich genetische Veranlagung ist und somit einen evolutionsgeschichtlichen Hintergrund besitzt. Musik quasi als "Urinstink". Bevor wir sprechen lernten, war da bereits der Klang, die Töne und der Gesang. Auch Heinrich Heine hat einmal erwähnt, dass er fest daran glaube, dass der Mensch gesungen habe, bevor er des Sprechens mächtig war. Im Tierreich gilt der Gesang als ein wichtiges Mittel zur Arterhaltung: Man denke beispielsweise an sogenannte Balzgesänge, wodurch Männchen und Weibchen sich anlocken. Und wir Menschen konnten schon lange Flöte spielen, bevor wir das Rad erfanden oder Häuser bauten. Denn unsere Natur als Inspirations- und Einflussquelle für unser musikalisches Sein bietet uns seit unserer Entstehung ein umfangreiches Spektrum an Musik; es reicht ein kurzer Gang in die Natur (natürlich ohne Kopfhörer), um diese Vielfältigkeit zu entdecken. Wir erleben es immer wieder, wie die Musik -Takt, Rhythmus, Melodie - wie man es nennen mag - in uns steckt: das automatische Wippen nach dem Takt eines Liedes, das rhythmische Klatschen... Oft Dinge, die irgendwie von selbst passieren ohne dass wir dafür etwas Spezielles erlernen müssten - es ist einfach da. Musik besitzt zudem die Macht, Gemeinschaft zu formen und Verbindungen zwischen uns zu knüpfen, die vielleicht von allein nicht zustande gekommen wären. Das ist sehr beruhigend in einer Gesellschaft wie heute, weil es nämlich eine Sache ist, die immer bleiben wird, niemals einer Mode oder Strömung oder politischen Diskussion oder Handykommunikation- oder was auch immer - zum Opfer fallen wird. Musik (als biologischer Teil), die bleibt, weil sie in uns lebt und wohnt. Lassen wir es Christian Lehmann zusammenfassen: "Neben der Sprache, die es uns Menschen erlaubt, Dinge und Zustände genau zu benennen, hat die Evolution unserer Spezies - vielleicht schon vor der Sprache, vielleicht parallel zu ihr - ein weiteres Mitteilungssystem gegründet, das auf Melodie und Rhythmus gründet. Für die Entwicklung der typisch menschlichen Fähigkeiten, Melodie und Rhythmus zu erkennen und sie als Mittel des Ausdrucks und der Verständigung zu handhaben, gab es höchstwahrscheinlich gute biologische Gründe ebenso gute Gründe wie für die Evolution anderer komplexer kognitiver Fähigkeiten und Verhaltenseigenschaften. Alle erkennbaren evolutionären Ursachen der menschlichen Musikalität haben mit emotionaler Bindung zu tun, mit dem "sozialen Kitt", der für den Homo sapiens als Gemeinschaftswesen lebenswichtig ist." (Der genetische Notenschlüssel, Christian Lehmann, Herbig 2010, S.234) * Der genetische Notenschlüssel, Christian Lehmann, Herbig 2010

Kategorien: 2016 - Momente

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