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Dreissigster Moment: Für Beethoven - eine "Zündung zwischen Extremen"

Gepostet am 22. März 2017 um 22:50
Beethovens Bedeutung in der Musikwelt ist unbestritten. Grund genug, ihm den "dreissigsten Moment" zu widmen. Er wird oftmals als der "Meister der modernen Instrumentalmusik" bezeichnet, der es wie kein anderer vermochte, Instrumentalmusik als Ausdruck eines innerlich Erlebten aufzufassen und dies in seinen Werken durch den Einsatz und der Verfeinerung aller musikalischen Ausdrucksmittel im Spannungsfeld zwischen Leidenschaft und Humor auszudrücken. Seine Musik ist authentisch und unverblümt. Kompromisslos, insbesondere das Spätwerk.
Zur Umsetzung bediente er sich verschiedenster Formen der Kammermusik, von der Klaviersonate bis zum Streichquartett und übertrug die gewonnen Erkenntnisse auf die Orchestermusik. Die Jahre 1802 bis etwa 1812 stellen seine intensivste Schaffensperiode dar.
Seine letzten Jahre, ab etwa 1812 bis zu seinem Lebensende 1827, waren durch zahlreiche Lebenskrisen gekennzeichnet, hervorgerufen durch ein stetig sich verschlimmerndes Gehörleiden bis hin zur Taubheit, materielle Sorgen oder auch emotionale Verwirrungen wie beispielsweise durch die "Unsterbliche Geliebte". Diese Lebenskrisen beeinflussten sein Kompositionsstil, den man in dieser Phase als Spätstil bezeichnet, gekennzeichnet durch einerseits Brüchigkeit und andererseits Komplexität. Man vernimmt Klänge, die er wahrscheinlich in seiner früheren Zeit nie so komponiert hätte. Das Abgeschlossensein von der Aussenwelt bedingt durch die Taubheit, zog eine noch stärkere Verinnerlichung seines Empfindens nach sich, das sich in seinen Werken durch einen oftmals noch innigeren und unmittelbareren Ausdruck niederschlug. Seine Kunst wurde mit zunehmenden Alter eine mehr und mehr verinnerlichte Kunst, die beim Publikum nicht immer auf Gegenliebe stiess. Geleitet von subjektiven Augenblicken vernachlässigte er (im Vergleich zu seinen früheren Werken) die für seinen Stil so typische Symbiose von Inhalt und Form.
Theodor W. Adorno betont als wesentliche Charakteristik in der Musik Beethovens dessen planvolle Verarbeitung musikalischer Gesetzmässigkeiten, wie beispielsweise den strukturierten Einsatz aller Mittel der Tonalität. So erzielte der Komponist eine konsequente Weiterentwicklung seiner Werke, was wohl eher aber ein "Nebenprodukt" gewesen sein dürfte. Die unmittelbare Anhäufung unterschiedlichster Stilmittel in einem Stück hat ein Nebeneinander grosser Rationalität (vollendete Anwendung der Formen) und einen verstärkten Expressionismus, eine Extremität im Ausdruck, zur Folge. Ueberlassen wir Adorno das Schlusswort: "Prozess bleibt noch sein Spätwerk; aber nicht als Entwicklung, sondern als Zündung zwischen den Extremen [...] Zwischen Extremen im genauesten technischen Verstande: hier der Einstimmigkeit, dem Unisono, der bedeutenden Floskel, dort der Polyphonie, die unvermittelt darüber sich erhebt." (Theodor W. Adorno, Beethoven, Philosophie der Musik, Suhrkamp 2015, S.182/183ff.)

Kategorien: 2017 - Momente